.tel-Domains und die Frage nach dem Sinn
Normalerweise haben alle Domain-Endungen irgendwie etwas gemeinsam: Man bestellt sie bei dem Domain-Registrar seines geringsten Misstrauens, setzt einen so genannten A-Record und kann die Domain dann mit den Anwendungen seiner Wahl nutzen. Bereits hier unterscheidet sich die Domain-Endung “.tel” von allen anderen.
.tel möchte eine Art Visitenkarte im Internet sein: Man pflegt über ein Webinterface seine Kontaktdaten, zum Beispiel Telefonnummern, Webadressen, Mailadressen und so weiter. Diese Daten werden dann auf der eigenen tel-Webseite sichtbar. Außerdem finden sich die Daten dann auch in den zur Domain gehörigen DNS-Servern (in NAPTR- und TXT-Records). Das DNS, das im Internet üblicherweise Domainnamen zu IP-Adressen zuordnet, kann so weitere Informationen wie zum Beispiel Telefonnummern enthalten.
Eine praktische Anwendung dafür wäre beispielsweise ein Telefon, auf dem man einfach nur den tel-Domainnamen eintippt. Da sich die Informationen auf einer digitalen Visitenkarte schnell ändern lassen, würde man so zum Beispiel tagsüber auf der Büronummer des Angerufenen landen, während man abends auf das heimische Telefon durchgestellt wird. Eine weitere interessante Nutzungsmöglichkeit zeigt das Werbevideo.
Das alles klingt soweit recht nett und der eine oder andere mag dem System sicherlich einen praktischen Nutzen abgewinnen können. Aber die Realität sieht ganz anders aus. Es gibt kaum ein Telefon, das die direkte Eingabe einer tel-Domain unterstützt. Genauso sieht es mit anderen Anwendungen aus: Es gibt kaum eine Möglichkeit, die Vorteile, die die tel-Domain gegenüber der klassischen Visitenkarte bietet, zu nutzen. Meistens wird es also so aussehen, dass man die tel-Domain im Browser eintippt und die Kontaktdaten von der Webseite nutzt.
Aber nur dafür ist die tel-Webseite optisch als auch funktional wenig ansprechend. Es gibt nicht einmal die Möglichkeit, das tel-Logo in der oberen rechten Ecke auszutauschen (z.B. gegen ein Foto). Auch werden die Möglichkeiten, die eine Webseite als dynamisches Medium bietet, wenig genutzt. Mit dem nötigen technischem Know-How kann man durch die SOAP-Schnittstelle durchaus dynamische Inhalte in die Webseite einbinden (z.B. seinen aktuellen Twitter-Status), aber mal ehrlich: hättet ihr bei der schönen Frau aus dem Video noch an SOAP und WSDL gedacht?

